Krefeld-Süd

Dass Düsseldorf zum Ruhrgebiet gehört, behaupten drei Gruppen: 1) Die wahrhaft Unwissenden, die sich dadurch auszeichnen, dass sie weit außerhalb eines angenommenen Radius‘ von >200 Kilometern um die NRW Landeshauptstadt wohnen. Dieses Unwissen stammt aus der für diese erste Gruppe nicht existierenden Frage, denn für einen Hamburger ist Düsseldorf ein Stadtteil von Köln und für einen Berliner liegt Düsseldorf in Holland. Innerhalb der 200 Kilometer-Markierung leben Gruppe 2 und 3. Gruppe 2 weiß es wirklich nicht besser. Gruppe 2 weiß auch nicht den Namen des Bundeskanzlers, auch nicht, dass er eine Frau ist. Gruppe 2 ist ebenso glücklich, wie zu vernachlässigen.

Gruppe 3 ist es vordergründig auch, spannend ist sie aber allemal. Sie verfügt nämlich über ein gewisses, manchmal hohes Maß an Allgemeinbildung, hat möglicherweise die Schule besucht, teils gar abgeschlossen bzw. hat grundsätzlich Zugang zu Wissens- und Informationsmedien und kann diese auch bedienen und die Erkenntnisse verarbeiten. Warum Gruppe 3 Düsseldorf dennoch dem Ruhrgebiet zuordnet, kann demzufolge nur Absicht sein, denn es handelt sich um die Gruppe der Kölner. Man mag sich fragen, was diese Unterdeckung an Selbstbewusstsein ausgelöst hat. Plausible Antworten finden sich dazu nicht, was daran liegen kann, dass man sie nicht in der menschlichen, bipolar gestörten Psyche vermuten sollte, sondern schlicht und ergreifend in der generationsüberdauernden Tradition. Und Tradition ist hierzulande ein aus Kirchen, Hohen Straßen, Schildergassen und Karneval gegossenes Fundament.

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Im Gegensatz zu Heute war Köln im 11. und 12. Jahrhundert eine bedeutende Handelsstadt – kaum vorstellbar – aber historisch durch alte Stiche belegt, die hunderte Schiffe in Kölner Häfen zeigten. Etwas genauer: Butter, Stoffe, Käse, Blumen, sprich Waren aller Kulör, die aus Holland über den Rhein kamen, zogen per Rheinschiff an dem verträumten Dorf an der Düssel vorbei, um auf Kölner Märkten mit Aufschlag verkauft zu werden. Köln hatte die Zollrechte, Düsseldorf hatte sie nicht. Das machte Köln reich. Und arrogant. Der Turnaround kam unmittelbar. Naja, also jedenfalls fast unmittelbar, zumindest immerhin in etwa 700 Jahre später im 19. Jahrhundert. Als Köln die rauchenden Schlote des geltungssüchtigen Düsseldorfs bewusst wahrnahm, machte es Klick. Zu der Zeit war die Industrialisierung bereits in vollen Gange und Düsseldorf war mir nichts dir nichts zur Hauptstadt der Rheinprovinz durch die protestantischen Preußen ernannt. Hab’ ich alles recherchiert. Wird schon stimmen. Tja. Also wer hat den Streit denn jetzt angefangen? Köln. Wer sonst. Die Geier.

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Und Düsseldorf zog mit roten Ferraris über die Königsallee hätte ich fast gesagt (Nicht cool! Gar nicht!), aber immerhin rechtsrheinisch an Köln vorbei. Und ehe Köln sich von der anderen Rheinseite her wachgespuckt seinem perfiden Racheplan widmen konnte, war Düsseldorf auch noch plötzlich Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen. Der Racheplan wurde dann doch noch umgesetzt, nämlich so: Wer von Köln-Ehrenfeld über die A57 nach Düsseldorf will – oder vielmehr muss – der muss sich am Autobahnschild ‚Krefeld‘ orientieren. Pech für den, der nicht weiß wo Krefeld liegt und niemand weiß das. Ein herber Schlag.

Und diese rauchenden Schlote von einst boten sich eben an, um Düsseldorf einfach mal mit Duisburg, Castrop-Rauxel, Oberhausen und meinetwegen Krefeld gemeinzumachen. Ein absolutes No-Go. Aber ein Nachvollziehbares. Und effektiv auch noch, denn so trifft man die sensible und kultivierte Düsseldorfer Seele tief und verunglimpfend.

Soweit die Fakten. Nun die Wahrheit.

Wenn eines typisch rheinländisch ist, dann diese Fehde zwischen Köln und D’dorf. Die hat mehr verbindenden Charakter, als man meinen möchte. Man lacht zusammen (Helau), wissend, dass Köln eben doch keine Alaaf‘welt-Stadt ist. Sobald sich die dunklen Wolken des aus Köln stammenden Lesers dieses Berichts verzogen haben, trinkt man auch ein Bier zusammen.

Obwohl: Nein.
Tut man doch nicht.
Aus mindestens einem Grund: Altbier schmeckt scheiße.

Und ich?

Ich lebe mittlerweile in Köln, wer hätte das gedacht.

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