Party und NLP

Auf einer Party fing das an. Die Blicke. Kurz mal geschaut. Hin und wieder weg. Kennt man ja. Aber es bleibt jeder in seinem Tanzbereich.

„Kerle! Uns geht’s gut, oder?!“
„Jaa, Mann!“
„Aaaaach …“
„Jaaaherrlich!“
„Mega!“

Dann wieder flüchtiger Blicktausch. Die ganze Mädchen-Gruppe schaut. Sie steht auf der anderen Seite des großen Raumes. Tuscheln, lachen, wegschauen, Gespräch nehmen, Gespräch geben. Ich lebe doch in einer guten Beziehung? Oder nicht? Und so lange schon. Wie konnte das passieren?

Die Jungs: „Wir fragen uns, worüber ihr lacht?“
Die Mädchen: „Dass ihr schlecht im Bett seid und glaubt, kochen zu können!“

Meine Freundin früher, ich weiß es noch, zeigte mich regelrecht vor. Mit Stolz. Man wollte mich mal sehen. Freundinnen, Eltern, Bruder, das ganze Programm. Herzlich willkommen, hieß es damals.

*****

Sie: „Wir brauchen eure Bohrmaschinen nicht und eure Bosch-Hammer auch nicht!“ Lach-Tränen ersticken ihre Worte, atemloses Lachen dieser Girl-Band mit ihren Mitte/Ende 30.

„Es gibt ja Mittelfinger und den Nachbarn!“ Das Wort ‚Nachbar‘ hat sie innerhalb ihrer Lach-Attake nur unter Zusammenraffens aller Verbal-Kräfte halbwegs verständlich herausbekommen.

Meine damalige Freundin war meine Frau, ist es nicht mehr. Harter Tobac. Woher kommt diese Ironie? Zutiefst verletzender Sarkasmus. Das ist nicht nett. Das tut richtig weh. Im öffentlichen Raum. Liebevoll? Lange her.

*****

Sie: „Scha-hatz!? Massierst du mir die Füsse?“
Ich denke: „Leck mich“.
Ich sage: „Okay. Verdient hast du‘s nicht!“
Sie: „Was soll das denn heißen?“

Merkt sie das denn nicht?

Sie war so cool. Lässig. Mein Mädchen. Selbstbewusst, sanft, warm. Sie steht da mit ihren Freundinnen in der Gruppe auf dieser Party und grölt Männerverachtende Parolen. Mich-verachtende. Und dann: alles wieder weglachen, damit‘s nicht so klingt, wie es gemeint ist: Nämlich ehrlich.

Das sollte ich mir mal im Ansatz erlauben. Die Hölle wäre los. Welche moralischen Rechtsmittel wendest du an, dass du dich legitimiert fühlst Verachtung in Partywitze einzustricken? Meine Frau ist das? Echt? Wo sind wir geblieben? So viele Jahre. Nähe abgewehrt. Worte ersticken. Schallschutz. Schmerzempfindlichkeit.

*****

Auf der Party. Die Blicke. Kurz, dann fort, dann zurück, dann tief.

„Ich kann nicht verstehen, dass du so eine schlechte Meinung von dir hast? Schau dich mal an! Hör dir mal zu!“ sagt sie. Die Fremde. Diese fremde Frau, die mir total vertraut erscheint. Ich denke an die Vertraute, die mir so fremd geworden ist. An meine Frau. Wie konnte das passieren?

*****

2015-11-13 23.40.11-2

Woher kommt das Recht zu dieser überdimensionalen Überheblichkeit?

Sie: „Der ist ohne mich nicht lebensfähig!“ (Ich habe diesen Satz tatsächlich gehört)
Du glaubst das wirklich, oder?

Irgendwie sind deine Eltern, meine Eltern, geworden. Du hast alle Macht übernommen und ich hab sie dir überlassen. Ich fahre meine Autos nicht mehr. Ich fahre deine. Die Tassen, die ich noch im Schranke habe, sind IKEA genormt. Aber wenn dich Schuld trifft, dann mich auch. Wir sind es immer selbst, wer sonst. Sich selbst aufgeben für andere war ganz chic. Now, we have the salad.

Bei facebook sind wir jedenfalls keine Freunde geworden. Karneval ist sowieso Ehemännerfrei. Ach bitte, fick’ dich doch.

*****

„Sag mir, wie ich mich einrichten soll! Du bist der Kreative!“

Ich dachte, ich höre nicht richtig. Hallooo??? Wo sind die Kameras? Aber da sind keine. Alles real. Diese private Frage schockiert mich. Die will es wirklich wissen. Sie fragt mich nach meiner Meinung. Schwuppdiwupp. Der emotionale Speicher startet den Lade-Vorgang. Der Memory-Effekt wird umprogrammiert. Das Programm überschrieben. NLP 2.0

„Frag‘ mich das nochmal!“
„Was.“
„Das mit dem Einrichten …“
Sie lacht.
„Ich meine das ernst, mein Gott, was ist dein Scheiß-Problem?“
„Ach, nix …

Schlaf mit mir, weil ich sonst nicht weiß, wohin mit meinem Glück.“

Tolle Frau.
Aber ich liebe sie nicht. Ich liebe, dass sie mich ansieht, mich meint, wenn sie zu mir spricht und mich erkennt. Das liebe ich.

*****

Wie konnte das passieren? So, eben.
Öffentliches Denunzieren und nicht-öffentliches Ausblenden des eigenen Mannes. Partei ergreifen für andere, egal wer es ist, egal um was es geht, „mein Mann ist ein pauschaler Fake ohne Beachtungsrechte.“

Breiter Arsch. Schmaler Horizont. Prinz-mit-Porsche-gesucht-Postkarte mit Magnet am Edelstahl-Kühlschrank.

*****

Wir passen echt nicht auf uns auf.

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